Ich habe jetzt schon so lange nicht mehr geschrieben, dass es langsam schon mit dem Hinterherkommen schwer wird. Es ist viel passiert. Eineinhalb Monate sind vergangen und inzwischen wurden zwei “Hürden” genommen: Die “goldene Bergspitze”, also Halbzeit der 11 Monate hier und das Ende des sechsten Monats.
Doch von Anfang an.
Februar:
Ich drohe an einer einstürzenden Decke zu ersticken. Viel Arbeit, wenig Sonnenschein und eisige Temperaturen herrschen seit einiger Zeit vor. Israelischer Winter eben.
Am 6.2. Entschließe ich mich meinen freien Shabbat zu nutzen und etwas kulturelles zu unternehmen. Also fahre ich morgens mit dem “Hostelbus” mit und werde beim Israelmuseum abgesetzt. Dort ist es sehr interessant und ich bleibe einige Stunden dort, um mir alles anschauen zu können und Fotos zu machen.
Dieses zweite Bild zeigt eine Skulptur im Museumsgarten, welche Negev heißt. Mir gefällt sie besonders gut, da der Stein typisch für die israelische Wüste ist und sie auf einer für israelische Verhältnisse sehr grünen Wiese steht. Und wenn es den Großteil des Jahres in der Negev etwas gibt, dann sind das Steine und keine Wiese.
Bei den folgenden Bildern handelt es sich um ein begehbares Ausstellungsstück im selben “Garten”, welcher ganz weiß ist und eine große Viereckige Öffnung in der Ecke hat, wodurch man den Himmel betrachten kann. Bei dem ersten der beiden Bilder mag ich den Kontrast aus dem ganz blauen, weiten Himmel und der Begrenzung durch die scharfen Ecken. Das zweite finde ich sehr gelungen durch die unterschiedlichen Farbtöne des blauen Himmels, welche durch die Sonne verändert werden und dass die Sonne als solche zu erkennen ist.
Das nächste Bild zeigt den oberen Teil des begehbaren Raumes und wurde von einem Künstler auf drei der vier wichtigsten Sprachen Israels mit demselben Spruch beschriftet.
Das Wahrzeichen Jerusalems: Löwen (hier in sehr abstrakter, aber dennoch sofort erkennbarer Form):
Das Museum liegt ungefähr 15-20 Autominuten von uns entfernt und liegt auf einer Anhöhe auf dem Universitätsgelände Jerusalems. Aufgrund der scheinbar etwas weiteren Entfernung von unserem zu hause war ich ganz erstaunt, als das Wahrzeichen unseres Stadtteils, di Jerusalem Mall (auch “Kanyon” oder “Malha- Mall” genant) in der ferne entdeckt habe (Bildmitte).
Liebe auf hebräisch:
Dieser Spruch ist doch einfach wunderbar:
Da dieser Ausflug ja an einem Shabbat stattfand, musste ich nach Hause laufen. Es war ein wirklich schöner einstündiger Spaziergang, bei zwar eisigen Temperaturen, aber blauem Himmel und Sonnenschein.
Beim betreten des Hostels ist mir mal wieder diese Blüte aufgefallen, welche zu diesem Zeitpunkt schon zwei Wochen blühte und es noch heute tut!
Ich bin auch ein Löwe (großer Merlin):
Der nächste Tag: 07.02.2010: Mein Geburtstag!
Morgens werde ich von meinen zwei Mitbewohnerinnen aufgeweckt. Lauren machte zum Frühstück leckere Pfannenkuchen mit einer süßen Quarkcreme. Auch Merlin war bei der Gratulation mit dabei:
Nach dem Frühstück überlege ich mir, was mit diesem schönen Tag wohl am Besten anzufangen ist. Nach anfänglicher Ratlosigkeit stelle ich mir selbst die Frage, was ich schon immer mal gerne gemacht hätte, es aber noch nicht umgesetzt habe. Dabei komme ich darauf, dass ich mir schon lange denke, wenn ich mir ein Pircing machen lassen würde, dann die Nase.
Entschluss gefasst. Gesagt, getan. Ich breche ins Jerusalemer Zentrum auf. Da ich doch sehr nervös ob meines Entschlusses bin, erfülle ich mir andere Wünsche zuerst (Kette reparieren, Kleidung kaufen, lecker essen…) und lasse mir schließlich die Nase piercen!
Abends skype ich einige Zeit mit zu Hause und verbringe dann einen schönen Abend mit der befreundeten WG, welche nur zehn Minuten Fußweg von uns entfernt wohnt.
Vom 09.-11.2. Nehme ich an einem Seminar in Haifa teil Es wird von der Bildungsstätte “Dialog” hie rein Israel ausgeführt und vom Bund gefördert. Es ging drei Tage lang um “Jugend und Erziehung” in Israel. Ich fand die Zeit sehr informativ, denn es wurde das säkulare jüdische-, zionistische-, Teile des arabischen Schulsystems, Pfadfinder sein als soziales außerschulisches Engagement und Erziehung als Teil der israelischen Armee vorgestellt. Außerdem war es mal wieder sehr schön neue Menschen kennen zu lernen!
Am Ende des Seminares habe ich keinerlei Lust nach Jerusalem zurückzufahren, vor allem da ich kurz vor Ende eine SMS erhalten hatte, das ich doch nicht eine “einspringende” Schicht machen brauchte. Nach einigem Hin und Her fahre ich mit drei anderen Mädels nach “Gvar Tikva” (Dorf der Hoffnung), einem Kibbuz im Norden Israels. Dort verbringe ich eine sehr coole Nacht mit fünfzehn anderen deutschen Volontären, welche an diesem Tag ihre Halbzeit feiern.
Der Plan des Abends sieht so aus, dass wir um zwölf Uhr alle zusammen in eine Disko fahren, welche einem Mitarbeiter der dortigen Organisation gehört. Als es dann soweit ist und wir abgeholt werden, handelt es sich bei dem Gefährt um einen extra für uns gebuchten kleinen Reisebus und wir sind alle etwas aufgedreht und hyperaktiv! Die Disko selbst war am Anfang nicht ganz so überwältigend, doch je mehr Zeit verstreicht, desto mehr geniessen wir alles es dort zu sein.
Am nächsten Morgen wache ich in einem Bunker auf, da die Volontäre in Gvar Tikva nur noch diesen frei hatten und fahre zu Lauren (israelische Mitvolontärin) nach Netanya, um dort mein Wochenende zu verbringen.
Schon beim Hinweg entstand dieses Bild der wunderschönen (fast europäisch erscheinenden) Landschaft des Nordens Israels im späten Winter/ Frühling, also nach Regen und vor den ganz heißen Temperaturen.
Und wie es dort geduftet hat und die Vögel zwitscherten und was für andere Vögel uns begegneten… einfach herrlich :D
Vom 12.-15.2. verbringe ich Zeit mit Lauren in Netanya.
Schon auf dem Weg vom Kibbuz im Norden nach Netanya merke ich, dass ich mich etwas schwach fühle. Nachdem ich von Laren und ihrem Vater mit dem Auto vom Bus aufgepickt werde, gehen wir erst ins Haus ihrer Mutter (sehr viele Katzen ^^), einem Freund von ihr, den ich schon kenne und dann zum Freitagessen (zum Shabbatbegin) zu ihren Großeltern, welche im 16ten Stock eines Hochhauses wohnen, wodurch man Gebäude in Tel-Aviv und Haifa sehen kann!!
Während des Essens fühle ich mich immer schlechter und fange an zu zittern. Als ich schließlich mit Lauren bei ihrem Vater zu Hause bin steigt meine Temperatur innerhalb kurzer Zeit auf 39 Grad an und ich habe sehr starken Schüttelfrost und will nur noch schlafen.
Leider verhindert mir dieser “Schwächeanfall” am nächsten Tag eine Radtour mit Freunden von Lauren, aber dafür geht es mir Sonntags schon wieder sehr viel besser und ich nutze den Valentinstag für eine über einstündige Wanderung vom Wohnort Laurens Vaters zu meinem geliebten Mittelmeer, wo ich eine lange Zeit einfach nur herumsitze und den Sonnenuntergang genieße….. Bis ein Mann, welcher unbedingt mit mir sprechen möchte, ich ihn nach einer Weile doch recht eindeutig wegschicke der Meinung ist, mich auf den Tag genau 5 Monate nach der Einreise nach Israel, als Erster als Nazi bezeichnen zu müssen.. Aufgrund seines verletzten Stolzes wohlgemerkt….
Nichtsdestotrotz hat sich dieses Ausflug sehr gelohnt und abends treffe ich mich mit Lauren und ihren Freunden.
Montags geht es mit einer langen Busfahrt wieder nach Jerusalem und ab zur Arbeit.
Am 16.2. Schaue ich mir den meiner Meinung nach sehr guten Film “Where the wild things are” in der Jerusalemer Cinematheque an.
Nach einer normalen Wochenendschicht genieße ich Samstag abends (20.2.) den argentinischen , für den Oscar nominierten, Film “El secreto en sus ojos”. Unbedingt EMPFEHLENSWERT!
Am 21.2. Kommt mich Kathi mit einer Freundin besuchen. Kathi ist ehemalige Volontärin meiner Agentur in Israel, mit der ich schon vor einem Jahr, also zu meiner Entscheidungszeit, Israel ja oder nein, e-Mailkontakt hatte. Von daher war es sehr schön sie zu sehen.
Abends waren wir zu dritt in der Altstadt Shisha rauchen. Eigentlich hatte ich vor noch mal ins Kino zu gehen, aber da ich in die falsche Busrichtung beim Umstieg einsteige, sehe ich statt “Inglorious Basterds” ultraorthodoxe Jeruslamer Viertel, von denen ich noch nie etwas bemerkt hatte. Ein Blick mehr auf diese wahnsinnige Stadt!
Mit dem Besuch Kathis setzt eine lange Besucherzeit bei uns in der WG ein. Vom 23.2. an sind zwei junge Russen bei uns zu Besuch, welche Alina am toten Meer kennen gelernt hat. Dasha und Grisha kommen aus der Nähe von China (40 min. mit dem Auto zur Grenze) in Russland. Im Dezember sind sie von dort aus nach Moskau aufgebrochen (mit dem Flugzeug) und durch die Türkei, Syrien und Jordanien nach Israel getrampt. Leider kann sich nur Alina mit den beiden unterhalten, da Dasha im Grunde genommen überhaupt kein und Grisha nur eingeschränkt englisch spricht.
Und wer hätte es gedacht? Es kann tatsächlich HAGELN in Jerusalem ^^
Einen Abend später kommt für zwei Nächte ein amerikanischer Couchsurfer (Darren) zu Besuch, der sich nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Südafrika auf dem Rückweg nach New York befindet.
Nachdem Darren wieder abgereist ist, steht am 27.2. Purim (jüdisches Karneval) in Tel Aviv auf dem Programm. Also machen sich Dasha, Grisha, Lauren, Alina und ich uns erst hübsch und dann auf den Weg auf die Florentin in Tel Aviv.
Dort erlebe ich, als Teufel verkleidet, meinen ersten Alkoholabsturz.. Zuvor darf ich mir mehrmals anhören: “Willst du als Teufel verkleidet sein? Das glaubt dir doch eh keiner.. Du siehst aus wie ein Engel!”
Immerhin hab ich mich verkleidet ;)
März:
Am 3.3. erfährt unsere WG einen Besucherrekord mit zwei anderen deutschen Volontären, den beiden Russen, zwei Couchsurfern, einem den Russen bekannten Briten und uns drei Bewohnerinnen den Höchststand.
An diesem Tag treffe ich mich morgens mit zwei anderen ALUT Volontärinnen in der Stadt zum Tee trinken (quatschen) und anschließend Eis essen und anschließend einer weiteren Alut Volontärin aus der Nähe von Tel Aviv zum um die Altstadtmauer wandern (quatschen^^) und neue Sehenswürdigkeiten (“Kirche der Nationen” und Ölberg) zu sehen.
Am 6.3. Schaffe ich es nach über einem Monat endlich wieder zum Basketball und fühle mich dadurch einfach wunderbar!
Mein Trainer meinte nur “Valentina, you came back sharp!” ^^ Im hebräischen würde man dazu nur sagen: “Ese chamud” oder zu deutsch: “Was für ein Süßer” ^^
Vom 8.-10.3. Habe ich das Tote Meer kennen gelernt. Für zwei Nächte habe ich dort mit einem deutschen Volotär aus Jerusalem in Ein Gedi gezeltet.
Am zweiten Tag haben wir uns das Naturreservat Ein Gedi angeschaut und vor unserer Rückfahrt nach Jerusalem machten wir einen Abstecher nach Ein Bokek, einer sehr unansehnlichen puren Touristenstadt zwischen dem Toten Meer und dem Nirgendwo (Wüste Negev).
Im Naturreservat ist mir zu wiederholten Male hier in Israel aufgefallen, dass man die meisten noch ach so großen Sehenswürdigkeiten am besten schon vor Beginn der Besichtigung zumindest ein wenig relativiert, da es sonst sehr schnell zu Enttäuschungen ob der Größe kommen kann, was aber nicht heißen soll, dass die Dinge nicht trotzdem sehenswert wären!
Letzte Woche nun hat sich der liebe Shay (Mitarbeiter) für fünf Monate nach Indien verabschiedet. Wir werden ihn vermissen, weil er einfach eine sehr gute Seele hat und ein angenehmer Zeitgenosse ist.
In der Nacht vom 14.3. auf den 15.3. haben Alina und ich die sechs Monate voll gemacht! Die Emotionen welche mir dazu durch den Kopf gehen lassen sich nur unglaublich schwer in Worte fassen.
“Ich freue mich unglaublich hier zu sein!” trifft es wohl am besten.
Habe ich schon erwähnt, dass es wieder Sommer wird hier in Israel? Bis Sonntag gab es hier für fast eine Woche wieder Temperaturen um die dreißig Grad!!!
Heute ist es wieder kühler (angenehmer) und da bin ich wirklich froh drüber, da die Hitze alles doch etwas “erschlagener” von sich gehen lässt.
Heute wurde endgütig entschlossen (Chefin), dass Lauren hier mit Alina und mir zusammen fest wohnt, da sie sich mit einer Mitbewohnerin in ihrer eigentlichen WG (welche auch Mitarbeiterin in unserem Hostel ist) überhaupt nicht versteht.
Ansonsten lässt sich noch sagen, dass die Russin immer noch bei uns wohnt, Alina gerade für neun Tage in Deutschland ist und Merlin immer dicker und hübscher wird ;)
So, wer bis zum Schluss durchgehalten hat: Masal tov! Herzlichen Glückwunsch ;)
Alles Liebe aus Jerusalem,
V.

Liebe Valentina,
AntwortenLöschenein toller Beitrag! ich freu mich, das es Dir gut geht, Du Dich wohl fühlst und so viele tolle Dinge erlebst.
Dinge Pap